Montag, 03. Juli 2017 Der Patriot

810 wasserdichte Zylinder

Eindrucksvoller Einmarsch: Bei der Schützenmesse dominierten die Farben schwarz, weiß und grün.

Auf dem Marktplatz hielt Oberst Friedel Bergmann eine Laudatio auf verdiente Schützen. Orden und Ehrenzeichen gab es natürlich auch noch dazu.

Defilee an der Westmauer: Am frühen Samstagmorgen startete das Königspaar Monika und Ewald Eidhoff in seinen letzten großen Tag.

Die befreundeten Gebirgsschützen „Gotzinger Trommel“ aus Oberbayern schossen am Ehrenmal Salut. Fotos: Dietz/Lüke

Nasser Samstag: Geseker Sebastianer treten trotz Regen mannstark an

Von Ulrike Dietz und Frederick Lüke

Sind Zylinder eigentlich wasserdicht? Offenbar schon: Trotz des Regens traten am Samstagmorgen 810 Sebastianer auf dem Geseker Marktplatz an.

Im Schatten der Stadtkirche unterstrich Oberst Friedel Bergmann die Bedeutung christlicher Symbole. „Toleranz und Vielfalt können nur dort gedeihen, wo die Einheimischen keine Angst haben müssen, dass ihre eigene Lebensweise und ihre Symbole nicht mehr geduldet werden“, zitierte er den Journalisten Harald Martenstein. Die Sebastianer seien mit ihren 605 Jahren Träger einer langen Tradition, betonte Bergmann. „Wir wollen unsere Symbole nicht aufgeben“, gab er den Schützen mit auf den Weg. „Auch, wenn viele von uns mit dem Kirchgang nicht mehr viel am Hut haben, sind wir doch tief verwurzelt in der Tradition des Abendlands.“

Als Gemeinschaft sei die Bruderschaft stark. „Unser christlicher Glaube hat uns zu Barmherzigkeit und Nächstenliebe aufgerufen. Heute, ja heute beim Bier, gleich beim Feiern, haben wir wieder die Gelegenheit, miteinander zu reden, dem anderen zuzuhören, Freundschaften neu aufleben zu lassen und Zwistigkeiten zu beenden“, betonte der Oberst.

Ein Beweis für gelebte Freundschaft ist auch die große Zahl der Ehrengäste, die Friedel Bergmann begrüßte – unter anderem das „schwarze Bataillon“, Diözesanbundesmeister Eberhard Banneyer sowie Vertreter verschiedener Schützenvereine, unter anderem aus Salzkotten und Kneblinghausen.

Mit dabei war natürlich auch eine Abordnung aus Haanrade. Beim Besuch in Holland hat Franz-Josef Walter von der Westhofe doch tatsächlich den Vogel abgeschossen. Als sogenannter Freundekönig war er beim Antreten mit einer Oranje-Schärpe und Klompen angetan.

„Alte Bekannte“ sind auch die Gebirgsschützen „Gotzinger Trommel“ aus Oberbayern. Schließlich lenkte der Oberst die Aufmerksamkeit auf das Königspaar Monika und Ewald Eidhoff, Kronkönig Uwe Neuhaus, den König vor der Scheibe Torben Fahle und den Jungschützen-Kaiser Ulrich Herber.

Gleich darauf bat Bergmann Schützen nach vorne, die sich im besonderen Maße für die Bruderschaft eingesetzt haben. Für seine Arbeit im Vorstand und in der Seelsorge bekam Präses Rainer Stahlhacke das St.-Sebastianus-Ehrenschild am Band für Präsides. Dem Ehrenhauptmann und Ehrengeschäftsführer Heinz-Josef Dieregsweiler verlieh der Oberst das Schulterband zum St.-Sebastianus-Ehrenkreuz. Auch das Engagement vom Major und zweiten Brudermeister Hans-Georg Dröge hat sich ausgezahlt: Er trägt nun den hohen Bruderschaftsorden am Revers.

Das Silberne Verdienstkreuz ziert ab sofort den Frack von Nordhofe-Leutnant und Vereinsfotograf Bernd Sauerland. Gleiches gilt für den KKSV-Vorsitzenden Frank Olschewski, den aktiven Sportschützen Wolfgang Kemper und Osthofe-Feldwebel Stephan Böhmfeld.

Beisitzer Thomas Seiger feiert sein 20-jähriges Vorstandsjubiläum. Bergmann beförderte Oberstadjutant Andreas Cramer zum Hauptmann beim Stabe und Nordhofe-Feldwebel Ralf Nettsträter zum Hauptfeldwebel seiner Kompanie. Auditeur Klaus Brockhoff und Platzmajor Bernd Marx sind nun Oberleutnants beim Stabe.

Mit dem Defilee starteten das Königspaar und sein Hofstaat sodann in ihren letzten großen Tag. Bei der anschließenden Schützenmesse – am Altar standen Pfarrer Rainer Stahlhacke, Ehrenpräses Uwe Schläger, Monsignore Wilfried Schulte sowie die Pastöre Detlef Stock, Martin Tilles, Thomas Zwingmann und Norbert Scheckel – stellte der Präses die rote Rose ins Zentrum, die ein jeder Sebastianer am Frack trägt. Sie symbolisiere die unendliche Liebe des Schöpfers zu den Menschen und sei gleichzeitig ein Abbild der Schönheit aus Gottes Garten. Die edle Blume lade dazu ein, Spuren der Liebe Gottes im eigenen Leben zu suchen. „Jeder Einzelne ist damit gemeint“, betonte Stahlhacke.

Wer jemandem eine Rose überreiche, schenke nicht nur mit der Hand, sondern auch mit dem Herzen. Denn „der Mensch lebt nicht nur vom Brot allein, sondern von jedem Wort, dass aus Gottes Mund hervorkommt“, sagte der Pfarrer. In diesem Sinne rief er die Schützen dazu auf, ihr Herz und auch ihr Portmonee für Kriegswaisen im bosnischen Banja Luca zu öffnen. Bei der Kollekte kamen 2918 Euro zusammen.

„Ich gebe offen zu: Mir ist bei der aktuellen politischen Weltlage nicht ganz wohl. Ich habe Angst!“, fand Oberst Bergmann in seiner Ansprache am Ehrenmal deutliche Worte. „Indirekt bauen wir bereits Bunker, weil wir uns in einem Krieg befinden mit Feinden, die diese Weltordnung aus den Fugen bringen wollen“, sagte er. Man stehe jetzt wieder an einem Punkt, wo „Interessen von Populisten und der Geldmacht höher gehandelt werden, als die Sorgen und Nöte der Massen“. Er schob nach: „Wir befinden uns am Beginn einer neuen Weltordnung, bei der der Einzelne noch weitaus mehr leiden wird, als wir es uns aktuell vorstellen können.“ Freundschaften würden von einzelnen nicht mehr kalkulierbaren Politikern über den Haufen geworfen. „Engstirniger Nationalismus, Ausgrenzung anderer, Rassismus werden wieder salonfähig.“ Das Wort „Wahrheit“ verliere vollkommen an Bedeutung, Lügen würden wie selbstverständlich verbreitet. Meinungsfreiheit ginge verloren und „auch unsere freie Presse ist vor der Überflutung durch Fake-News nicht sicher“.

„Lassen wir Idioten regieren?“

Erdogan, Trump, Orban, Kim Jong-un und Putin bezeichnete er als machtgierige Politiker, die Spuren der Verwüstung in das mühsam erworbene Weltbild von Frieden und Freiheit schlagen. „Lassen wir zunehmend Idioten regieren?“, rief Bergmann aus. Freiheit und Friede falle nicht vom Himmel. „Für diese Freiheit, diesen Frieden sollten wir kämpfen“, betonte er. Das gehe nur in einer Gemeinschaft. Isolation und Einsamkeit brandmarkte er als Zukunftsvisionen, die durch Roboter, Smartphones, Computer mit ihren virtuellen Welten nur noch verstärkt werden. „Lasst uns alle, die wir diese Freiheit, dieses Miteinander und Füreinander wollen, ein Impuls für Europa sein. Wir müssen deutlich machen, auch unseren britischen Nachbarn, dass Werte höher anzusiedeln sind als der schnöde Mammon.“

Man müsse für Toleranz, Freiheit, Frieden, für ein Miteinander der Kulturen einstehen, „dann haben wir gewonnen und die verschiedenen Populisten weltweit, die Trumps und Erdogans haben keine Chance. Dann können wir auch trotz der Gefahr von Anschlägen und Terror zusammenstehen, weil wir gemeinsam stark sind“. Er zitierte Kurt Biedenkopf: „Freiheit ist nicht nur ein Recht, Freiheit ist eine permanente Aufgabe, ein dauerhafter Prozess.“




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