Montag, 09. Juli 2018

„Endlich Schützenfest“

Das scheidende Königspaar Claudia und Björn Kurze genoss den Applaus während des Defilees am Samstag.

Erster Höhepunkt am frühen Samstagmorgen ist die Ehrung verdienter Schützen durch Oberst Friedel Bergmann (5.v.r.) auf dem Marktplatz.   

Erholt sich von den rauflustigen Bayern: Reinhard Kardinal Marx (l.), hier mit Pfarrer Rainer Stahlhacke, bei der Schützenmesse.

Ein Meer aus Fräcken, Zylindern und Eichenlaub: Über tausend Zuhörer lauschten beim Totengedenken mahnenden Worten von Oberst Friedel Bergmann. Fotos: Tuschen / Lüke

Das dauernde Plästern vom letzten Jahr ist vergessen: Bestes Wetter umrahmte den Auftakt des Geseker Schützenfests. Die Sebastianer dankten es Petrus mit einer starken Phalanx: 980 Schützen traten am Samstagmorgen auf dem Marktplatz an.

Ein erhebendes Gefühl, dem sich auch Oberst Friedel Bergmann hingab. Mit einem Zitat des Dalai Lama ging er auf die starke Präsenz seiner Schützen ein: „Mit anderen Menschen zusammen erreichen wir mehr als alleine“ – ein Satz, den sich auch die Politiker mehr zu Herzen nehmen sollten. „Mein Aufruf: Nicht Amerika first, oder Bayern zuerst, wir sind auf der Welt alle voneinander abhängig“, so Bergmann. Als Schützenbruderschaft brauche man auch die Nachbarvereine und die Musiker. „Alleine können wir bei dem Wust an Verordnungen und Regelungen nämlich bald nicht mehr als Einzelgänger existieren. Deshalb ist es mir so wichtig, dass wir uns untereinander nicht auseinanderdividieren lassen“, sagte er. Dann seien alle stark und könnten sehr viel erreichen. Möglicherweise auch die entsprechende Ausgestaltung des Marktplatzes: „Ich bin dankbar, dass wir als Bruderschaft in diese Planung mit einbezogen werden. Nach dem bisherigen Stand müssen wir uns um unseren Fahnenmarsch an diesem Ort sicherlich keine Gedanken machen“, freute sich der Oberst.

„Schön, dass du Zeit hast“, sagte Bergmann. Gemeint war der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, der schon einmal die Schützenmesse vorbereitete. Ebenfalls begrüßte er vom „schwarzen Bataillon“ Präses Pfarrer Rainer Stahlhacke, Ehrenpräses Uwe Schläger, Westhofe-Ehrenmitglied Dekan Monsignore Wilfried Schulte und den Festprediger Pastor Detlef Stock und alle anderen Geistlichen.

Auch zahlreiche weltliche Gäste wohnten dem Antreten auf dem Marktplatz bei. Den Präsidenten der Region I der EGS Bernhard Adams, den Bundesjustitiar des BHDS Hermann-Josef Pierenkemper, den stellvertretenden Bundesjustitiar Hans-Josef Busch, Bernhard Haneke vom Kreismusikerbund sowie viele Vertreter der Vereine und der sieben Musikkapellen aus der Region begrüßte Bergmann in Geseke.

Feierlich wurde mit der Verleihung der Auszeichnungen: Dekan Monsignore Wilfried Schulte, „begeisterter Schützenbruder und Heimatpfleger“, wurde mit dem St.-Sebastianus-Ehrenschild des BHDS ausgezeichnet. Hauptmann der Osthofe Jochen Rusche, der in einer kurzen stürmischen Zeit der Osthofe 2016 Verantwortung übernommen hat, zeichnete Bergmann mit dem Silbernen Verdienstkreuz aus. Auch Medienoffizier Christoph Manske, Schützenbruder Engelbert Essers (Nordhofe), Daniele Casti (Nordhofe) und Manfred Berger (Osthofe) tragen das Verdienstkreuz am Revers. Jungschützen-Geschäftsführer Timo Schwark freute sich über den Jugendverdienstorden in Bronze und für jeweils 20 Jahre Vorstandstätigkeit wurden Hauptmann Thorsten Döring (Westhofe) und Hauptfeldwebel Ralf Nettsträter (Nordhofe) ausgezeichnet.

Eine Überraschung gab es für den Oberst selbst: Der Kreisgeschäftsführer des Volksmusikerbundes Bernhard Haneke überreichte Bergmann den Orden für Verdienste für dessen enge Verbundenheit mit den Musikgruppen.

Eine besondere Auszeichnung wurde auf Sonntag verschoben: Ehrenhauptmann Anton Koch, der vor einer Woche seinen 70. Geburtstag feierte, erhielt für sein Lebenswerk und besonders für sein Engagement für Platz und Halle das Schulterband zum Sebastianus Ehrenkreuz des BHDS.

Ihren letzten großen Tag hatten Claudia und Björn Kurze beim Defilee, bevor es in die Schützenmesse ging. Hier zelebrierten Reinhard Marx, Detlef Stock, Wilfried Schulte, Uwe Schläger, Rainer Stahlhacke, Norbert Scheckel und Thomas Zwingmann das Hochamt. „Endlich wieder Schützenfest“, begrüßte Marx seine Schützenbrüder. In Geseke „erhole ich mich von den rauflustigen Bayern“, grinste er. In seiner Predigt erklärte Stock das Geheimnis des Sebastianer-Hochfests. In seinen einstigen Wirkungsstätten Schötmar und Warburg „gibt es Schützenwesen auf Sparflamme“. In Geseke finde er aber viel Engagement und viel christliches Gedankengut vor. Gleichzeitig appellierte Stock an alle Messebesucher, noch mehr diese Werte im Alltag zu leben und noch enger zusammenzustehen. Sein Vorschlag, in diesem Sinne alle Hofen miteinander zu vereinen, führte in der Kirche kurz zu aufgeregtem Gemurmel, das Stock mit einem souveränen Lächeln quittierte. Bei der Kollekte kamen 3376,71 Euro zusammen, die in das Nigeria-Projekt von Dieter Tuschen fließen, wo ein Traktor angeschafft werden soll.

Klare Worte fand Bergmann beim Totengedenken am Ehrenmal. „Suche Frieden“ ist nicht nur ein Leitspruch des Katholikentages, „es ist auch ein Hilferuf in die Welt, aufzuwachen, zu handeln“. „Wann baut Viktor Orban seine Atombombe, wann Erdogan, wann kauft welcher Despot das Bomben-Know-How? Wie gefährlich wird es in Zukunft sein im Umgang miteinander? Kim-Jong-Un hat es doch vorgemacht: Die Atombombe als Druckmittel ist in!“, echauffierte er sich.

Der Schützenoberst beklagte einen enormen Werteverlust. Er sieht es als eine Aufgabe der Schützen an. zurück zu blicken und zu mahnen, die Gegenwart mit allen Fehlern benennen und mit Wünschen und Friedensvisionen in die Zukunft sehen.

Bergmann schloss mit einem Zitat von Friedensnobelpreisträger Aristide Briand: „Um Frieden zu haben, muss man ihn wollen, man darf nicht ständig daran zweifeln.“




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