Samstag, 02. Februar 2013 Der Patriot

Vogelschießen nur noch mit der Armbrust?

„2013 wird interessant“: Kreisoberst Bernhard Adams.

Novellierte Richtlinie sorgt für Unruhe

„Es wird interessant im Jahr 2013“, schreibt Bernhard Adams in einer E-Mail an die Kreis-Redaktion, doch ist das wohl ironisch gemeint. Worauf der Oberst des Kreisschützenbundes Lippstadt (KSB) anspielt, ist dies: Vogelschießen könnten schon bald in ihrer bisherigen Form der Vergangenheit angehören. Laut einer bereits am 23. Oktober 2012 im Bundesanzeiger veröffentlichten Richtlinie muss der hölzerne Aar aus astfreiem Weichholz gefertigt sein; die Materialstärke darf künftig allenfalls 80 und nicht, wie bisher, 150 Millimeter betragen. „In der Konsequenz kann das bedeuten, dass man nicht mehr mit Feuerwaffen auf die Holzvögel schießen wird“, meint Adams.

 
Der Kreisoberst beschwört in diesem Zusammenhang bereits die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, als Thron-Aspiranten nur mit einer Armbrust oder Keule auf den Königsvogel anlegen durften. Warum das Thema bisher in der Öffentlichkeit so wenig Wellen schlug, verwundert auch Adams. Er hat nur durch Zufall von der Novellierung der Schießstandrichtlinien erfahren.

 

Abpraller sollen verhindert werden
Hintergrund der Änderung ist die Tatsache, dass bei Vogelschießen gelegentlich Probleme mit abprallenden Projektilen auftauchten. Ursache dafür war die in diesen Fällen bereits ziemlich zerschossene hölzerne Rückwand des Kugelfangs aus Metall, geht aus einer E-Mail von Karl-Rudolf Böttcher, Kreisschießmeister des KSB Brilon, hervor.

Um diesem Effekt vorzubeugen, sollen die Holzvögel nun eine geringere Materialstärke aufweisen – bei einem leichteren Objekt ist schließlich weniger Munition nötig, um es von der Stange zu holen. Zudem würde sich letztendlich die Gefahr von Abprallern verringern, schreibt Böttcher in seiner E-Mail. Übrigens soll der Aar laut neuen Schießstandrichtlinien aus astfreiem Holz gefertigt sein, damit Projektile nicht abgeleitet werden können. Nichts spreche jedoch dagegen, das Holz zu verleimen.

Wie es bei diesem Thema weitergeht, ist momentan unklar. Am 18. Februar findet laut Adams ein Gespräch mit der Kreispolizeibehörde statt. Denkbar ist, beim Vogelschießen Munition mit einem kleineren Kaliber einzulegen. Ein von 150 auf 80 Millimeter Materialstärke geschrumpfter Aar würde bei der bisher meist eingesetzten Munition sonst schon bei den ersten Schüssen seine Existenz aufgeben. Jedenfalls haben die Delegierten des Kreisschützenbundes Lippstadt bei ihrem jährlichen Treffen am Freitag, 8. März, diesmal in Bad Westernkotten, Gelegenheit, Fragen rund um die Zukunft des Vogelschießens näher zu erörtern.

Doch nicht nur diese Causa treibt die heimischen Schützen um. Für Irritationen sorgen überdies Informationen, wonach Vereine und Bruderschaften künftig Absperrungen oder andere verkehrliche Maßnahmen bei Umzügen nicht mehr in Eigenregie übernehmen dürfen, sondern das der jeweiligen Kommune überlassen müssen – gegen Kostenerstattung, versteht sich. Infos aus dem Raum Werl, wonach das Thema bei der nächsten Konferenz der Landrätin mit den 14 Bürgermeistern im Kreis Soest am Montag, 4. Februar, eine Rolle spielen soll, konnte Kreis-Pressesprecher Wilhelm Müschenborn am Freitag nicht bestätigen. Er verwies darauf, dass Kreis und Kommunen aber eine Absprache über eine einheitliche Vorgehensweise anpeilen.

Aus einem Schreiben des Ordnungsamtes der Stadt Werl an den Brudermeister der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Westönnen 1624, Christoph Zeppenfeld, geht hervor, dass es vorerst bei der bisherigen Regelung bleibt. Man solle die Gespräche auf Kreisebene abwarten. Brudermeister Zeppenfeld hält den Ball in seiner E-Mail an Kreisoberst Adams übrigens auch erst einmal flach. „Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird“, formuliert er. fe




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