Dienstag, 19. März 2013 Der Patriot

"Bitte helft dem Papst"

Reinhard Kardinal Marx spricht über das Konklave und seine ersten Begegnungen mit Franziskus

Der neu gewählte Papst Franziskus wird an diesem Dienstag offiziell in sein Amt eingeführt. Auch Gesekes Ehrenbürger, Reinhard Kardinal Marx, ist deshalb nach wie vor in Rom. Im Gästehaus der Deutschen Bischofskonferenz fand er zwischen Konklave und Amtseinführung Zeit für ein Interview mit seiner Heimatzeitung. Mit ihm sprach der zurzeit in Rom weilende freie Journalist Peter Winnemöller aus Geseke.


Eure Eminenz, Sie hatten das Konklave als einen geistlichen Prozess bezeichnet. Woran war das zu merken?


Marx: Zuerst einmal beginnt das Konklave mit dem Gebet der Allerheiligenlitanei, dann werden Texte der Heiligen Schrift gehört, es wird zusammen das Stundengebet gebetet. Es gibt keine Diskussion, es wird nur gewählt und gebetet. Insofern ist das sehr liturgisch geprägt. Das Konklave findet in einer Kapelle statt. Die Sixtinische Kapelle ist vielleicht eine der schönsten der Welt. Mein Sitz war direkt unter der berühmten Szene der Erschaffung des Menschen. Das ist vielleicht sogar eines der berühmtesten Bilder der Welt, von Michelangelo. Das ist schon bewegend.


Wie war die Stimmung in der Sixtina?
Marx: Es gab natürlich auch das rein Technische. Man muss abstimmen, dann muss gezählt werden. Dann klappt vielleicht mal was nicht, und dann gibt es auch mal Momente, wo man darüber lacht, in denen auch mal Heiterkeit aufkam. Das eine ist eben die Wahl und das Gebet in der Kapelle. Aber es gibt auch das gemeinsame Essen in dem Haus, in dem wir alle untergebracht sind. Da konnten wir uns auch unterhalten und austauschen.
Der Papst spricht von sich jetzt als Bischof von Rom und als Bruder unter Brüdern.

 

Was wird sich für Sie als Erzbischof von München und Freising ändern?


Marx: Ich glaube, dass es jetzt nicht ganz anders wird als vorher. Vorher war das speziell für mich dadurch geprägt, dass Benedikt XVI. mein Vorvorgänger in München war. Da war bei ihm lebendiges Interesse am Erzbistum und an dem, was in Bayern und Deutschland passiert. Es war dadurch eine persönliche Nähe vorhanden. Bei Benedikt XVI. habe ich deshalb immer diese brüderliche Erfahrung gemacht. Den jetzigen Papst kannte ich noch gar nicht, wir sind uns vor dem Konklave nie begegnet. Erst jetzt im Vorkonklave und Konklave haben wir einige Worte gewechselt. Es gab bislang zwar noch keine intensive Begegnung, aber ich merke, dass er ganz authentisch und ehrlich diese Brüderlichkeit will.


Der neue Papst verzichtet auf Insignien. Die Atmosphäre ist locker. Sehen wir hier jetzt schon ein südamerikanisches Flair im Vatikan?


Marx: Ja, ein bisschen schon. Ob das südamerikanisch ist, kann ich natürlich schlecht beurteilen, denn er ist ja auch vom Ursprung her Italiener. Die Eltern sind aus Italien nach Argentinien eingewandert. Er spricht perfekt italienisch. Manche sagen: Man spürt noch den Charakter der Piemontesen, die ein wenig den Westfalen ähneln: Sie sind klar und haben Durchsetzungsvermögen, Beständigkeit und Treue. Südamerika bedeutet nicht einfach Leichtigkeit. Da gibt es genauso die unterschiedlichen Mentalitäten wie in Europa und in Deutschland. Aber man spürt, der Papst legt nicht viel Wert auf diese Äußerlichkeiten, den übertriebenen Prunk. Da hat er sich nicht gleich am Anfang überreden lassen, etwas zu tun, was seiner inneren Natur nicht entspricht. Das ist natürlich auch sofort wahrgenommen worden, wie auch, dass sein Name Franziskus, in Verehrung für den Heiligen Franz von Assisi, ein Programm ist.


Man konnte bei der Audienz für die Kardinäle sehen, wie er mit jedem ein paar Worte sprach. Was hat er Ihnen gesagt?


Marx: Er hat noch einmal darum gebeten, dass wir für ihn beten. Das habe ich ihm auch zugesagt, ebenso, dass wir in Treue zu ihm stehen. Mehr ist in einer solchen Begegnung nicht möglich. Es gibt da keine Angelegenheiten, die man bei so einer Audienz besprechen kann. Aber er hat eine sehr offene und authentische Art.


Wie gut spricht er deutsch?


Kardinal Marx: Ich kann es noch nicht beurteilen, aber ich habe den Eindruck, er versteht es gut und man kann wirklich gut auf Deutsch mit ihm sprechen.


Erwarten Sie, dass die kritischen Fragen, die gerade in Deutschland auf der Agenda stehen, jetzt hier in Rom noch einmal anders thematisiert werden?


Marx: Ach, der Papst wird im Vergleich zu seinen Vorgängern sicher keine andere katholische Lehre vertreten. Das kann man von einem Papst nicht erwarten und das ist ja gar nicht möglich. Wie man die Lehre verkündet, wie man sie auch weiter entwickelt, das alles ist eine Aufgabe nicht nur für den Papst. Das ist eine Aufgabe für die gesamte Kirche. Da erwarte ich jetzt aber nicht, dass der Papst in der katholischen Lehre, wie sie seine Vorgänger vertreten haben, und wie wir sie als Bischofskollegium bezeugen, etwas verändert. Das ist nicht zu erwarten.


Zum Abschluss vielleicht noch ein Gruß aus Rom in die Heimat?


Marx: Als ich in die Sixtinische Kapelle einzog, habe ich natürlich an meine Kindheit gedacht - ganz besonders an meine Zeit als kleiner Ministrant in Geseke. Viele Bilder aus meiner Kindheit und Jugend gingen mir durch den Kopf, und das zog auch alles mit ins Konklave - diese Erfahrung aus meiner Heimat. Wenn man dann die Kardinäle vor und neben sich sieht, dann denkt man an die Filme, die man gesehen hat: etwa „Der Kardinal“ oder „In den Schuhen des Fischers“. Da muss man sich dann schon mal kneifen und sich fragen: Ist das jetzt echt, dass der kleine Ministrant aus Geseke als Kardinal ins Konklave einzieht? Es ist unglaublich, aber wahr. Den Menschen in Geseke kann ich nur immer wieder sagen: Ich bleibe Euch verbunden! Bitte helft dem Papst und unterstützt ihn durch euer Gebet und ein gläubiges Lebenszeugnis.




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