Montag, 04. März 2013 WAZ

Schützen kämpfen auf Facebook gegen neue Vogel-Richtlinie

"Der 8cm-Aar" Foto: Laame / Montage: Sprenger

Die Sauerländer Schützen sind sauer auf die Berliner Politik: Für die neue Schießstandrichtlinie wurden Sportschützen, nicht aber Traditions-Vereine gehört. Das Innenministerium stellt die Sicherheit vor die Schusshäufigkeit.

Unterzeichnet hat die Bekanntmachung aus dem Bundesinnenministerium im vergangenen Oktober Herr Dr. Sturm. Der Name ist offenbar Programm: Einen Sturm hat er im Sauerland mit der Schießstandrichtlinie ausgelöst.

Derzufolge soll, wie bereits berichtet, der Vogel auf dem Schützenfest künftig statt der bisher üblichen stattlichen 200 Millimeter nur noch einen Bauchdurchmesser von 80 Millimetern haben dürfen. Während bisher 500 bis 600 Schuss üblich sind, falle ein solcher Hänfling aber bereits nach zwei Schüssen von der Stange, fürchtet Sven Lucas Deimel. Ein kurzes Vergnügen. Und deshalb macht sich der Vorsitzende der Jungen Union im Hochsauerland nun im Internet für den Artenschutz dieser gefährdeten Spezies stark: „Adler statt Spatz“ lautet die Überschrift der Facebook-Seite, die die jungen Christdemokraten am Samstagnachmittag ins Netz gestellt haben.

Kreisschützenbünde wurden in Ministerien vorstellig

Mit einem auch für Deimel überraschenden Erfolg: Schon nach wenigen Stunden im Netz nämlich hatte die Seite bereits mehr als 300 Fans. Am Montagmorgen waren es 884, am frühen Nachmittag 954, Dienstagnachmittag sind es bereits fast 1500 Fans. Junge wie ältere Schützen. „Das ist ein erheblicher Erfolg“, so Sven Lucas Deimel. Tatsächlich hat die Junge Union selbst im Hochsauerland gerade einmal 363 Facebook-Fans.

Richtlinie des Ministeriums schießt den Vogel ab

Das Bundesinnenministerium gibt beim Bau des Schützenvogels eine neue Richtlinie vor. Der Rumpf des Holzvogels soll nur noch einen Durchmesser von 8 Zentimetern haben. Die Schützen sind gegen diese Regelung. Traditionen verschwinden vom Schützenfest, sagen sie.

Ein Zulauf, der beweist wie sehr sich den Sauerländern beim Lesen der neuen Richtlinie das Gefieder sträubt. So schreibt Günter Bollermann aus Nuttlar auf der Seite: „Ich denke, in zehn Jahren schießen wir mit dem Luftgewehr auf Luftballons, dann knallt es wenigstens noch etwas.“

Ein Zulauf, der dem CDU-Bundestagsabgeordneten Patrick Sensburg und dem Sauerländer Schützenbund in Berlin bei den weiteren Verhandlungen mit dem wohlgemerkt von der Union geführten Innenministerium den Rücken stärken soll, erklärt Deimel. In der vergangenen Woche waren die Kreisschützenbünde Arnsberg, Brilon und Meschede im Ministerium erstmals vorstellig geworden. Dem dortigen Abteilungsleiter seien die Problematik und die Auswirkungen der Richtlinie absolut nicht bekannt gewesen, berichtet der Arnsberger Kreisoberst Dietrich-Wilhelm Dönneweg in einem Schreiben an die Schützenbrüder. „Er zeigte sich darauf sichtlich betroffen über diese kuriose Verordnung, die in seiner Abteilung geschrieben und herausgegeben worden war.“

Nur Sportschützen gefragt

Das Ministerium habe allein den Deutsche Schützenbund, also den Dachverband für das sportliche Schießen, zu dem Vogelbau-Thema befragt. Weder der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften noch der Sauerländer Schützenbund oder andere Schützenverbände, die sich mit dem traditionellen Schießen befassen, seien gehört worden, so Dönneweg. „Außerdem wurde bei dem Gespräch deutlich, dass dem Ministerium Schützenfeste, Traditionsschützen, Sauerländer Schützenbrauchtum und Ähnliches gar nicht bekannt sind.“

Schlankheitskur für mehr Sicherheit

Warum man im Ministerium die Schützenvögel derart schrumpfen möchte, das können die Sauerländer Schützen nicht begreifen. In Berlin erklärt man, es gehe eher um eine Schlankheitskur. „Die maximale Größe wurde nicht verändert, nur die Dicke“, so Markus Beyer, Sprecher des Innenministeriums. Schießstandsachverständige hätten Probleme mit umfangreicheren Zielen festgestellt. Und beim Abwägen zwischen Sicherheit und möglicher Schusshäufigkeit ginge nun einmal die Sicherheit vor.

Nun soll bis zum Anfang der Schützenfestsaison eine Regelung gefunden werden, die für alle Beteiligten vertretbar sei. Dieses Versprechen habe man ihm in Berlin gegeben, sagt Kreisoberst Dietrich-Wilhelm Dönneweg. Auf dass der Sturm sich legt. - Nina Grunsky




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