Montag, 23. September 2013 Der Patriot

„Ich sage gerne und stolz: Ich komme aus Geseke!“

Reinhard Kardinal Marx feiert am heutigen Samstag seinen 60. Geburtstag. Geplant ist unter anderem ein Gottesdienst im Stadtteil Schwabing und ein Besuch des Oktoberfests mit Freunden und Wegbegleitern. - Foto: dpa

Der berühmteste Sohn der Stadt, Reinhard Kardinal Marx, wird heute 60 Jahre alt

Der Patriot: Der Weg des Münchener Erzbischofs, Reinhard Kardinal Marx, war vorgezeichnet. Schon als Kind spielte der Geseker auf dem Dachboden den Pastor, während sein Bruder den Messdiener mimte. Seit Kindheitstagen stand sein Wunsch fest, Priester zu werden. Starke Pfarrerpersönlichkeiten in der Heimat prägten ihn in seiner Überzeugung. Eine steile Kirchenkarriere nahm ihren Lauf. Am heutigen Samstag feiert Gesekes berühmtester Sohn seinen 60. Geburtstag. Im Vorfeld fand er Zeit für ein Interview mit seiner Heimatzeitung.

Eure Eminenz, gerade erst haben Sie mit den Schützen in Geseke ein berauschendes Bundesfest gefeiert. Kommt es nun am Wochenende zum Gegenbesuch? Man hört, Sie planen eine Feier mit Freunden und Wegbegleitern auf dem Oktoberfest.

Marx: Ich freue mich, dass auch meine Verwandten, zahlreiche Freunde, alte Wegbegleiter und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an meinem Geburtstag da sein werden. Zunächst feiern wir heute um 17 Uhr einen Gottesdienst in St. Sylvester im Stadtteil Schwabing, zu dem auch die Bevölkerung eingeladen ist. Anschließend veranstaltet das Erzbistum einen Festakt in der Katholischen Akademie. Am Sonntag feiere ich dann privat, es gibt ein Weißwurstfrühstück im Bischofshaus, wir schauen uns den Trachtenumzug zum Oktoberfest an und anschließend lade ich meine Gäste für zwei Stunden auf die Wiesn ein.

Die ersten 19 Ihrer 60 Lebensjahre haben Sie in Geseke verbracht: Sie sagen immer, es waren prägende Jahre. Waren es auch die schönsten, weil unbeschwertesten?

Marx: Meine Kindheit und Jugend werden für mich immer eine ganz besondere Zeit bleiben. Nun hat jede weitere Lebensphase natürlich ihren ganz eigenen Reiz. Die Aufgaben werden andere, die Verantwortung wächst. Die vielen guten Erinnerungen und alten Freundschaften trage ich jedenfalls im Herzen wie meine Heimatstadt. Ich sage überall sehr gerne und stolz: Ich komme aus Geseke! Und deshalb freue ich mich immer, wenn ich - leider nicht sehr häufig - in Geseke sein kann.

Das nun abgelaufene Jahrzehnt war sicherlich das aufregendste Ihres ereignisreichen Lebens. Sie wurden Bischof in Trier, Erzbischof in München und wenig später Kardinal. Müssen Sie sich noch manchmal schütteln?

Marx: Am erstaunlichsten ist, wie schnell die Zeit vergeht. Jetzt bin ich schon das sechste Jahr in München. Ein 60. Geburtstag ist mir Anlass, Dank zu sagen für das, was war. Zugleich bitte ich darum, dass mir der Herrgott gnädig ist, und ich die Kraft habe, in den nächsten Jahren gut zu wirken und vieles anzupacken.

Sie sind von Papst Franziskus im April in einen Beirat berufen worden, der helfen soll, die Kurie zu reformieren. Was hat sich für Sie und die Kirche geändert, seit Franziskus im Amt ist? Fahren Sie bereits wie der Papst demonstrativ im Kleinwagen vor? Oder ernst gefragt: Welche persönlichen Ideen wollen Sie in den angekündigten Reformprozess einbringen?

Marx: Einen anderen Dienstwagen für den Bischof hat das Erzbistum noch nicht angeschafft, aber es stimmt: Der Papst fordert uns durch seine Worte und Zeichen heraus, und zwar positiv - uns Bischöfe, aber auch die ganze Kirche. Ich finde aber, jeder muss seinen authentischen Stil leben, dazu gehört für einen Bischof Bescheidenheit, Demut, Barmherzigkeit. Das Schöne an diesem Papst ist ja, dass er nicht so moralisierend daherkommt wie manche, die ihn jetzt ständig zitieren, sondern mit großer Freude und Gelassenheit. Er lacht gerne, hat Humor und ist den Menschen zugewandt. Und das spürt die ganze Kirche. Bei der Kurienreform wollen wir einmal das erste Treffen Anfang Oktober abwarten, der Papst gibt die Richtung vor.

Ihr Geseker Ziehvater Pfarrer Heinrich Wienken hat einmal in einem Interview gesagt, Sie seien „emporgestiegen wie eine Rakete. Wohin er wollte, da kam er hin“. Wo wollen Sie denn in Zukunft noch hin?

Marx: Nirgendwo, ich bin genug herumgekommen. Ich will in München bleiben. Da ist es gut, und da kann ich leben und auch sterben.

Könnten Sie sich eigentlich auch einen Lebensabend als Pensionär in Geseke vorstellen?

Marx: Lebensabend, Pensionär - das sind für mich im Augenblick überhaupt keine realistischen Vorstellungen. Ich stelle mich noch auf viele Jahre als Erzbischof von München und Freising ein. - df




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