Montag, 16. September 2013 Der Patriot

„Wir brauchen einander“

„Da müssen die Arme ausgebreitet sein“: Reinhard Marx erinnerte Kirche und Schützen daran, auf die Menschen zuzugehen. Uwe Schläger (l.) und Rainer Stahlhacke zählten zu den Konzelebranten.

„Ein Haus voll Glorie schauet“ sangen die Gläubigen aus voller Kehle zum Gloria, begleitet vom Ensemble newFACES.

Vor der Messe schenkte Kardinal Marx seiner Heimat eine Bürgermeister-Kette und legte sie Amtsinhaber Franz Holtgrewe an.

Marx im Pontifikalamt: Bruderschaften sollen ihre Orte prägen

Der Patriot: Wenn Jesus seine Kirche nicht auf Petrus erbaut hätte, hätten ihm die Geseker sicher einen Fels gestiftet. Denn auch für das Pontifikalamt zum Bundesschützenfest am Sonntag bildete ein etwa zwei bis drei Tonnen schwerer Block aus Geseker Kalkstein den Altar. Um Viertel nach zehn versammelten sich Reinhard Kardinal Marx und sieben Konzelebranten um den Fels auf der Tribüne des Stadions Kreuzbreite. Schätzungsweise 4000 Gläubige hatten sich zur festlichen Messe auf dem Rasen eingefunden. Ihr Blick war auf ein zwei Meter hohes, rostbraunes Eisenkreuz gerichtet, auf dem Glassplitter einen stilisierten Christus mit seinen Wunden andeuteten. Eine Kulisse, wie man sie sonst vielleicht von päpstlichen Feiern erwartet.

Mehr als 100 Fahnen zogen vor Beginn der Messe in das weite Rund ein, zuletzt die Standarten des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) und seiner Gliederungen sowie die Fahnen der Sebastianer. Die Trias „Glaube, Sitte, Heimat“ ziert traditionell die Banner der Schützen. Unter den Mitgliedsvereinen des BHDS kommt dem Glauben freilich eine besondere Bedeutung zu, handelt es sich doch um den Spitzenverband der katholischen Bruderschaften.

„Ein Haus voll Glorie schauet“ sangen die Gläubigen denn auch aus voller Kehle zum Gloria, begleitet vom Ensemble newFACES aus Oerlinghausen.

Die Bedeutung von Gemeinschaft und Gemeinschaften hob Kardinal Marx in seiner Predigt hervor. „Wir brauchen einander“, rief er den Gläubigen zu. Menschen könnten nicht allein durchs Leben gehen. Vielmehr seien gemeinsame Prinzipien vonnöten, die der Orientierung dienten und eine Entscheidung ermöglichten, „was den Menschen dient oder was die Menschenwürde verrät“, sagte Marx.

Kardinal stiftet Bürgermeister-Kette

Den Schützenbruderschaften maß Marx in diesem Zusammenhang eine „tragende Bedeutung“ bei. „Wir brauchen in unseren Orten, in unseren Kommunen und Städten solche starken Gemeinschaften, die auch eine Stadt prägen können.“ Aus christlichem Antrieb heraus könnten sie einen „Geist des Miteinanders“ erzeugen. Nächstenliebe, ein Sinn für die Armen und die Schwachen, aber auch fürs Feiern sollten dabei ihre Richtschnur sein. Denn: „Die Schützenbruderschaften sind nicht nur für sich da.“ Jeder brauche „eine tragende Gemeinschaft, die das ganze Leben in einen besonderen Horizont hineinhebt, eine Kraftquelle ist“, betonte Marx. In den Bruderschaften könnten

Menschen Zusammenhalt „nicht nur für einen Tag“ erfahren. Die Mitglieder unterstützten sich auch in schwierigen Zeiten gegenseitig und förderten soziale Projekte. Irgendwann stelle sich für jeden die Frage: „Wo gehöre ich hin? Wo bin ich eigentlich zu Hause?“ Für Kirche wie Schützen gelte dann gleichermaßen: „Da müssen die Arme ausgebreitet sein.“ Dass Marx auch in der Ferne seiner Heimat treu geblieben ist, hat er schon vielfach dokumentiert. Vor Beginn der Messe zeigte er diese Verbundenheit jedoch auf eine außergewöhnliche Weise. Nachdem er die Ketten und Kronen der Bundes- und Diözesankönigspaare gesegnet hatte, segnete er auch noch eine besondere Insignie. „Ich habe mir lange überlegt: Was kann ich meiner Heimatstadt schenken?“, sagte Ehrenbürger Marx – und lüftete sogleich das Geheimnis, indem er eine Amtskette für den Geseker Bürgermeister präsentierte. Gestaltet von Sebastianer Markus Spiekermann, führt sie die Wappen der Stadt und ihrer Dörfer zusammen, was Marx mit der Bitte um Zusammenhalt verband.

Sodann legte er Amtsinhaber Franz Holtgrewe (den Hochmeister Emanuel Prinz zu Salm-Salm zuvor überschwänglich als „Bürgermeister von Holtgrewe“ begrüßt hatte) die Kette an. Der zeigte sich gerührt wie überrascht. Von einer „Insignie für Jahrhunderte“ sprach Marx. Worauf Holtgrewe gegenüber dieser Zeitung klarstellte: „Also, so lange bleibe ich nicht Bürgermeister.“




©2019 St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Geseke 1412 e.V.