Montag, 09. September 2019 Der Patriot

Grenzsteine deutlich eingebläut

Schützenkönigin Vivian Apel machte Bekanntschaft mit dem Bönninghauser Schnadstein.

Schnadgang-Führer Manfred Raker geleitete als Gentleman mithilfe von improvisierten Brücken die Teilnehmerinnen über tiefe Gräben. Fotos: Löseke

„Wuste bölken?“, rufen rund 70 Geseker Vivian Apel entgegen. Die Königin der St. Sebastianer-Schützen wird gerade von einer Handvoll kräftiger Männer auf den Schnadstein an der Bönninghäuser Mühle gehievt und ruft lachend zurück: „Alles use!“

Zugegeben, ganz günstig ist der Stein hier nicht: Mit einer Höhe von 1,60 Metern ist es nämlich alles andere als einfach, da jemanden zu poaläsen. Poaläsen, das ist eine alte Tradition, erklärt Manfred Raker, bevor sich Vivian Apel dem Spektakel stellen muss.

Früher war es um das Verhältnis zu Nachbarn meist nicht so gut bestellt und Steine wurden zur Grenzmarkierung gesetzt. Bei Schnadgängen wurden die Bürger dann ziemlich unsanft auf die Grenzsteine draufgesetzt, um ihnen die Stelle einzubläuen – übrigens im wahrsten Sinne des Wortes: Meist gab es nämlich einen blauen Fleck am Po.

Manchmal wurden Grenzen übrigens auch manipuliert – aber davor hat Alfons Schweins, Oberst vom Schützenverein Mönninghausen-Bönninghausen, gar keine Sorge mehr: Das Verhältnis von Geseke zu seinen Ortsteilen sei heute „vom feinsten“.

Apropos alte Tradition: Die Veranstaltung in Geseke ist der älteste Schnadgang Westfalens. 1326 wurden die ersten Schnadbäume in der Stockheimer Gemarkung erwähnt, erzählt Bürgermeister Remco van der Velden zu Beginn. Damals aber, weiß Raker, ist man die Schnad noch zu Pferde abgeritten. Für die ganze Geseker Ortsgrenze hat man da einen ganzen Tag gebraucht. Jetzt, zu Fuß, wäre das natürlich gar nicht machbar. Deshalb gibt’s vier Routen, die nacheinander abgelaufen werden und heute sind der nordwestliche und der westliche Teil dran, also die Grenze zu Verlar, Mönninghausen, Bönninghausen und Störmede.

Bis die Geseker hier an der Bönninghauser Mühle zur Mittagsrast ankommen, sind sie schon ein ordentliches Stück gelaufen: Vom Rathaus nach Norden über „In den Mühlen“ bis zur Stadtgrenze, vorbei an der Dreifaltigkeitslinde, durchs Naturschutzgebiet „Ostern-Heuland“ entlang des Geseker und des Störmeder Baches. Über geteerte Straßen, Graswege und Felder, selbst über glitschige Holzbalken, die Raker über Schledden gelegt hatte – und das bei ordentlichen Regenschauern, aber zwischendurch auch immer bei so viel Sonne, dass so manches Jäckchen ausgezogen wird. Immer wieder gibt’s von Raker übrigens Wissen mit auf den Weg – etwa, dass beim Wasserstraßenkreuz im Naturschutzgebiet „Ostern-Heuland“ der Merschgraben unter dem Geseker Bach hergeht.

Für die Schnadloiper geht die Tour immer weiter: Bis zur Warte Lugdal und dann mit dem Bus wieder zurück in die Stadt.




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