Montag, 06. Juli 2020 Sebastianer in eigener Sache

Ansprache von Oberst Dröge

Für all diejenigen, die am Samstag nicht an der Schützenmesse teil genommen haben, gibt es hier die Rede von Oberst Hans-Georg Dröge, die er im "Normalfall" am Ehrenmal gehalten hätte, zum nachlesen.

 

Sehr geehrte Damen und Herren!

liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger

unserer Heimatstadt!

liebe Schützenschwestern und Schützenbrüder!

 

Heute sind wir ausnahmsweise einmal hier in der Kirche. Traditionsgemäß stehen wir an diesem Morgen an unserem Geseker Ehrenmal. Ein Mahnmal für die Opfer aus zwei großen, verheerenden Weltkriegen, ein Mahnmal für die Verstorbenen aus Gewalt, Unterdrückung und Terror.

 

75 Jahre ist es jetzt her, dass der 2. Weltkrieg mit der Unterzeichnung der Kapitulation Hitler-Deutschlands am 08. Mai 1945 in Berlin beendet wurde. Vor 75 Jahren fand die Befreiung Europas von der Nazi-Herrschaft statt. Vor 75 Jahren befreiten die Alliierten Konzentrationslager in Auschwitz, Buchenwald, Dachau, Bergen-Belsen und vielen anderen Orten. Unvorstellbare Grausamkeiten und unermessliches Leid kamen zum Vorschein. Die verbrecherischen Taten der deutschen Naziherrschaft wurden der Weltöffentlichkeit bekannt. Alle waren und sind sich bis heute einig, dass diese Gräueltaten nie wieder passieren dürfen.

 

Seither engagieren sich Überlebende, Gemeinschaften, Bündnisse, Weltorganisationen und viele andere unermüdlich, den Frieden zu erhalten, zu erinnern, zu mahnen. Dieser Frieden besteht hier bei uns im vereinigten Europa nunmehr seit 75 Jahren. Eine so lange kriegsfreie Zeit gab es in der Geschichte Europas bisher nicht.

 

Die Welt ist im Wandel. Nicht zuletzt durch die aktuelle Corona-Situation werden diese Gemeinschaften und Bündnisse auf eine harte Probe gestellt. Die Weltordnung, wie wir sie bisher kennen, ist ins Wanken gekommen. Was sind Partner heute noch Wert? Ein neuer Egoismus macht sich breit. Abschottung, Protektionismus, einseitiges Aufkündigen von Verträgen, gegenseitige Beschuldigungen, aggressive Drohgebärden, Verrohung der Sprache bis hin zur Kriegsrhetorik. All das ist uns bekannt und das hatten wir schon einmal in Europa und in der Welt, vor über 75 Jahren. Haben wir aus unserer Geschichte denn gar nichts gelernt? Dies alles ist ein Angriff auf unsere hart erarbeitete Demokratie, auf unsere Menschenwürde, auf unsere freiheitlichen Rechte, auf unseren Rechtstaat.

 

Dies ist für uns eine schwierige Zeit, in der eine aufsteigende Unsicherheit in der Gesellschaft zu spüren ist, Sorge um den Arbeitsplatz, finanzielle Existenzbedrohungen, familiäre Spannungen, Unzufriedenheit mit der eigenen Lebenssituation, eine unverständliche Politik. Gerade in dieser Zeit werden wir verstärkt konfrontiert mit extremem und radikalem Gedankengut. Rechte Gruppierungen und Parteien, die die Unsicherheit und die Angst der Menschen weiter schüren, bekommen eine Plattform. Stellenweise auch der Aufruf zu Hass und Gewalt gegenüber Andersdenkenden. Leider bekommen diese Organisationen auch entsprechenden Zulauf.

 

Ich appelliere an jeden Einzelnen von uns, sich mit seinen größtmöglichen Kräften gegen diese radikale Gesinnung zu stellen. Von der Politik, im Kleinen hier bei uns auf kommunaler Ebene und im Großen auf Länder- und Bundesebene, aber auch von der Weltpolitik fordere ich ein, ebenfalls mit aller Macht der Worte und Diplomatie dagegen einzutreten, verhärtete Fronten aufzuweichen und gemeinsam die freiheitliche Gesellschaft zu stärken. Anschuldigungen, Drohungen oder gar der Aufruf zu Hass und Gewalt haben hier nichts zu suchen.

 

In einem schweizer Sprichwort aus der frühen Nachkriegszeit heißt es:

„Wer Frieden will, muss Brücken bauen können !“

 

Gemeinschaften, Koalitionen und Bündnisse wie zum Beispiel die Vereinten Nationen, die Europäische Union, die Weltgesundheitsorganisation, weltweite Atom- und Handelsabkommen dürfen nicht durch Aktionismus und Kalkül einzelner Akteure wie Diktatoren, Despoten, Nazisten oder Egoisten gefährdet werden.

 

Die letzten knapp acht Jahrzehnte sind diese Organisationen zusammengewachsen, mit dem Ziel, die Weltgemeinschaft enger zusammen zu bringen, Grenzen zu überwinden und den Frieden auf der Welt zu sichern. Dies dürfen wir jetzt nicht aufs Spiel setzen.

 

Wir alle sind aufgerufen, auch weiterhin daran mitzuarbeiten, damit das auch so bleibt, dass die Erinnerungen und das Gedenken an die Opfer der Kriege nicht verblassen. Das sind wir gerade denen schuldig, die ihr Leben dafür gegeben haben. Dafür stehen wir an unserem Geseker Mahnmal.

 

Ich bitte Sie, mit mir den Opfern aus Krieg, Gewalt, Unterdrückung und Terror sowie all unserer Verstorbenen zu gedenken. Wir werden im Anschluss an diesen Gottesdienst im kleinen Kreis traditionell einen Kranz am Ehrenmal niederlegen.

 

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 




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