Reisebericht von Freunden

Michael Gröschler; Hauptmann der Pauli Hofe

von Hptm.
Hauptmann der Pauli Hofe des Bürger-Schützen-Vereins zu Soest e.V.

Teilnahme am Schützenfest der "Sankt Sebastianus Schützenbruderschaft" Geseke im Jahre 2008

 

Das Schützenwesen hat in unserem Lande immer noch einen hohen Stellenwert. Mag so mancher Ort oder so manches Dorf nicht mal mehr eine Kneipe haben, einen Schützenverein, die Feuerwehr und einen Fußballverein findet man jedoch meistens vor.

So war es auch kein Wunder, dass ich an meiner Arbeitsstätte in Salzkotten unter den Mitarbeitern recht schnell so manchen Schützen ausmachen konnte. Schnell kam man ins Gespräch. Die einen in Büren, die anderen in Salzkotten, einer in Bergede-Elfsen und viele eben in Geseke (Stammsitz meiner Firma) sind aktive Schützen. Selbst mein Chef setzt in Geseke samstags den Zylinder auf. Eine weitere Bindung nach Geseke kommt durch meine Claudia. Sie hat dort selbst zehn Jahre gelebt und heute wohnt noch Ihre Schwester dort (deren Mann ist selbstverständlich im Schützenverein).

 

In Geseke gibt es zwei Vereine, die "Normalen" heißen dort Bürgerschützen, die "Extravaganten" eben Sebastianer. Diese sind eine Bruderschaft und im Ort sehr eng mit der Kirche verbunden.

 

Somit ist eigentlich jeder Geseker irgendwie Schütze, in dem einen, dem anderen oder auch gleich in beiden Vereinen. Vom Outfit her sehen die "Bürger" in Geseke wie normale Schützen aus, die "Sebastianer" so wie wir. Sie tragen Frack und Zylinder.

So blieb es auch nicht aus, dass der Vorschlag kam: "Kommt doch mal mit ausmarschieren". Das ist natürlich auf einem "fremden" Schützenfest immer reizvoll. Doch wie sollte ich Soester Bürgerschützen bewegen, sieben Tage nach dem eigenen Schützenfest wieder die weiße Hose anzuziehen? Man ist ja kaum erst genesen und noch nicht ganz regeneriert vom eigenen Hochfest. Umso erstaunter war ich, dass es auf mein Werben hin doch einige ernsthafte Anmeldungen gab. Von fünfzehn gemeldeten, sind wir mit 13 Schützenbrüdern angetreten und nach Geseke gereist.

 

Ehrenoffizier Rolf L. (der Nachname ist mir entfallen) hatte leicht verschlafen und ist im PKW nachgereist. Eingeladen waren wir von der "Westhofe". Eine weitere Gemeinsamkeit mit uns, sie teilen Ihre Stadt auch in Hofen ein. Mein Arbeitskollege Hans-Joachim (Acki) Machoy, Leutnant der Westhofe, war unser Gastgeber. Mit ihm zusammen war auch alles vorab recht schnell organisiert.
 

Die Geseker unterteilen sich in drei Hofen, ihre Hofeslokale nennen sich Standquartiere. Da dort eine Hofe zum Ausmarsch – mal eben – um die 300!!! Schützen mobilisiert, ist ein gemeinsames Frühstück, wie wir es kennen, kaum möglich. In Geseke treten die Schützen bei Ihren Offizieren zu Hause an. Eine Bruderschaft ist früh morgens auf den Beinen. Ab 05:00 Uhr ist Wecken. Für uns hieß das, Abfahrt des Busses um 05:15 Uhr in Soest, so dass wir kurz vor 6:00 Uhr bei Acki antreten konnten.

 

Wir wurden schützenmäßig begrüßt und zunächst einmal mit Kaffee, heißer Suppe und Schnitzeln in Brötchen gestärkt. Wer wollte, konnte auch schon mal ein Bierchen probieren … und wir wollten. Als Ausmarschierende wurden auch wir vorab mit dem Abzeichen der Westhofe ausgestattet.


Nun ging es um 06:30 Uhr zum Standquartier der Westhofe. Jetzt kam auch Schützenmusik dazu und wir sahen zum ersten Mal eine Unmenge an Zylindern. Ein-zwei Märsche zur Einstimmung, die Begrüßung durch den Hauptmann, ein-zwei Bierchen und ab ging der Zug der "Westhofe" mit knapp 250 Schützen in Richtung Marktplatz.


Dort fanden sich auch die anderen beiden Hofen, Nord- und Osthofe, ein. Schnell füllte sich der Marktplatz und man kam mit dem Zählen nicht nach. Wie wir hinterher erfuhren, waren knapp 900 Schützen angetreten. Auf dem Marktplatz wurde das offizielle Programm abgehalten mit Ansprachen und Ehrungen, so wie wir es in Soest auch "lieben"!!! Dann traten die Fahnenabteilungen zum Fahnenmarsch an. Das ist schon imposant, wenn es zackig mit Hellebarden zum Empfang der Fahnen geht und wieder zurück ins Glied. Ganz besonders begrüßt wurde der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, ein Geseker Jung’.

Nun ging es durch die Stadt: Königspaar abholen, Ehrenmal und dann zur Parade. Wie es sich gehört, durften auch die Gastkönige "austreten" und zur Abnahme der Parade Aufstellung nehmen. So tat es auch unser König Frank I. Die Musik kam, eine lange Reihe von Schützen folgte mit zackigem Stechschritt. Als diese vorbei waren, atmete unser König tief durch, schüttelte seinen Grußarm aus und gab von sich: "Puh, das war aber eine ziemlich lange Reihe". "Ja ja, mein König", antwortete ich ihm, "aber das war nur die erste Hofe, zwei folgen noch!!!". Aber unser König war tapfer und hielt durch.


Zwischendurch hielt der Zug noch an der Kirche. Eine Bruderschaft kehrt natürlich auch zur Messe ein. Diese wurde von Bischof Marx abgehalten. Wir wollten natürlich niemandem dort den Platz streitig machen und verließen daher die Kirche nach kurzer Besichtigung, um Quartier in einem der Hofeslokale am Markt zu suchen.

Bei Hugo – die Messe konnten wir noch hören – warteten wir die Zeremonie ab und reihten uns dann wieder in den Zug ein. Danach ging es strammen Schrittes weiter durch Geseke in Richtung Schützenhalle. Knapp eintausend Leute hatten ziemlichen Durst und so wurde auch nicht getrödelt. An der Halle angekommen, wurden kurz die Fahnen wieder abgegeben und dann ging es direkt hinein.

 

In der Halle hat jede Hofe ihre Stammecke, wo sie Platz nimmt und von ihren Damen ein Frühstück serviert bekommt. Ja, meine Damen in Soest, das ist dort gute Tradition, dass die Damen ihren Männern nach dem schweren Ausmarsch ein Frühstück reichen und sich sofort wieder dezent zurückziehen. Auch wir wurden nicht vergessen, Acki's Frau, Christiane, hatte gut für uns gesorgt und wir konnten uns am reichlich gedeckten Tisch kräftig stärken. Leckere Brötchen und kühles Bier, da waren die Strapazen schnell vergessen. Unseren Geseker Gastgebern kamen wir schnell näher und so bildete sich bald eine große Runde. Danach gesellten wir uns draußen bei herrlichem Wetter zu allen anderen Schützen und den reichlich vorhandenen Gästen. Bald ging das Vogelschießen los. Das ist das Topereignis am Samstag in Geseke, daran nimmt die ganze Stadt Anteil. Thomas Feldkamp staunte ob der Ereignisse nicht schlecht und bewunderte die Schießanlage hinter der Halle auf einer großen Wiese.


Der "König vor der Scheibe" wird schon vor dem Fest ermittelt, danach wird der "Kronkönig" geschossen und auch groß gewürdigt. Dann geht es richtig los und auf dem Schützengelände schaut alles gebannt Richtung Vogelstange.


Unser Kommandeur gesellte sich inzwischen zum Vorstand der Geseker. In dieser hochrangigen Runde war auch der Bischof vertreten, der nicht nur dem Messwein huldigt, er schätzt auch den Gerstensaft.


Hier sei erwähnt, wenn die Schützen in Geseke "auf Halle" sind, legen sie ihren Zylinder ab und tragen ein "Petzel". Das ist ein Barett in grüner Schützenfarbe. Für den Bischof haben sie extra eines in Purpur anfertigen lassen, welches er auch trug.


Der Vogel fiel dann irgendwann, wir haben es nicht so genau mitbekommen. Schließlich waren wir ja in ständigem Kontakt mit den örtlichen Schützen und Getränken und so manches Horrido hallte durch Geseke. Unsere mitgereisten Jungschützen zeigten schon erste Ermüdungserscheinungen aber durch den lauten Jubel der Menge und die einsetzende Musik waren sie alsbald wieder hellwach.


Ein schöner Tag, ein toller Nachmittag neigte sich dem Ende zu. Manche Freundschaft war geschlossen und ein Gegenbesuch versprochen. Der Bus wartete auf uns, denn unser Vorstand musste am Abend in Soest noch zu den "Brandenburgern". Tapfer, tapfer sage ich da nur. So konnten wir dem samstäglichen Abschluss leider nicht mehr beiwohnen. Um 18:00 Uhr versammeln sich die Schützen vor der Halle: Antreten zum "Wackelzug", d. h. es geht mit dem neuen König zurück in die Stadt. Wer sich das Geschehen einmal ansieht, weiß warum sich das Wackelzug nennt.


Auch Rainer Feldmann, vom gleichnamigen Herrenbekleidungsgeschäft im Ort, begrüßte uns recht herzlich. Gehören doch so einige Soester zu seiner Stammkundschaft.


Diese Fahrt soll nicht einmalig bleiben. Es wurde schon vereinbart, dass wir das in den nächsten Jahren bestimmt einmal wiederholen werden.

Horrido



©2015 St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Geseke 1412 e.V.