Der Schützenfest-Dienstag

von Werner Freise

 

Wenn man alle drei Schützenfesttage, mit dem Zapfenstreich sind es sogar vier, gefeiert und vor der Theke nicht immer nur in der letzten Reihe gestanden hat, wird die Geldbörse schon arg gebeutelt. Die Trinker haben sich fast immer zufällig zusammengefunden und es gibt zu jeder Zeit spendierfreudige Schützenbrüder. Sie kämpfen sich bis zum Tresen vor und bestellen gönnerhaft, sich noch einmal umschauend, wie groß denn nun die Runde ist: "Mach uns mal eben zehn Bier fertig!"

Spätestens bei dem nicht ganz so einfachen Verteilen des Gerstensaftes, denn es haben sich schon wieder neue Gesprächsrunden gebildet, hört man den schönen Ruf aus den hinteren Reihen: "Reich mal durch!" Es gibt sie einfach, die "Lauschöpper", aber auch sie werden, ohne lange drüber zu reden, an allen Tagen mit durchgezogen. Mit dem Ausgang dieser Betrachtung haben die Vorgenannten aber nichts zu tun. Das Gros der Schützenbrüder, sind einfache Leute und die Möglichkeit Geld für Bier auszugeben ist begrenzt. So kommt es dann, dass Dienstagmorgens, man hat sich bereits zum Finale in die Sektbar abgesetzt, die letzten "Kröten" zum Vertrinken "auf den Kopp gehauen werden".

Im Gegensatz zum Schützenfest-Samstag sieht man in den frühen Morgenstunden gar nicht mal so viele stark angeschlagene Schützenbrüder, man hat sich an den Alkoholkonsum bereits gewöhnt. Die standhaften Damen drängen zum Aufbruch und manch neue Liebschaft nimmt ihren Anfang, wenn man sich auf dem Fest näher gekommen ist. In den letzten Jahren stehen fast rund um die Uhr Taxis vor der Schützenhalle, und diejenigen, die einsteigen, verpassen einfach einen schönen Schützenfestabschluss. Denn die Schützen, die zu Fuß gehen, einen Arm um die Begleiterin gelegt, mit dem anderen das Holzgewehr hinter sich herziehend, kommen noch an unseren schönen Geseker Wasserläufen vorbei.

Magisch angezogen verharrt man am Spring am Krankenhaus und die Damen können gerade noch verhindern, dass direkt in ihn hineingesprungen wird, aber das "Portemonnaie" wird herausgezogen, geöffnet und durch die kalten Fluten gezogen. Das ist nicht nur ein symbolischer Schützenfestabschluss, sondern es werden auch Vorsätze gefasst, für die nächste Zeit erst einmal keinen Alkohol mehr anzurühren und dafür Geld auszugeben.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt, wohl durch das frische Wasser angestachelt, werden Stimmen laut, der Insel im Geseker Teich einen kurzen Besuch abzustatten. Eine kleine Belohnung, um den Marsch durch den morastigen Untergrund zu tun, ist oft schon von langer Hand vorbereitet. Nicht selten steht schon eine Flasche Schampus, kurz vorher für einen ausgehandelten Sonderpreis in der Sektbar erstanden, auf dem Entenhäuschen auf der Insel. Nun wird es ernst, einige mutige Antreiber sind immer dabei, den Gang zur Insel zu beginnen, denn die Flasche Sekt lockt doch. Die Langbeinigen haben gegenüber den etwas kleiner geratenen Zechkumpanen eindeutige Vorteile, denn ihnen reicht das Wasser nur bis zum Gesäßende, den Kleinen natürlich ein Stück höher.

Herzhaftes Gelächter der Damen und anstachelnde Rufe für die noch Wankelmütigen beherrschen die Szenerie. Spätestens, wenn die "Dicke Pulle" von den Erstankömmlingen geöffnet wird, hat auch der Letzte den Weg ins Wasser gefunden. Nun beginnt das "Frozzeln" mit den Damen am Ufer auf der Parkbank. Vom Schampus weiter in Hochstimmung versetzt, wird auch gern das schöne Melodrama gesungen: "Es waren zwei Königskinder, die hatten einander so lieb, Sie konnten zusammen nicht kommen, das Wasser war viel zu tief!"

Dann werden erste Stimmen aus der Damenwelt laut: "Ich will auch auf die Insel!" Zwei starke "Insulaner" begeben sich in voller Montur wieder ins Wasser und bleiben mit mutzusprechenden Worten vor dem Vierkanthandlauf stehen. Mit elegantem Schwung werden die Kleider zusammengerafft und auf den Schultern der Träger geht es wieder zur Insel. Laute Freudengesänge lassen Polizeistunde und die "Hals über Kopf" geflüchteten Inselbewohner, die Enten, vergessen.

Aber der Spuk dauert nicht lange und angebrütete Gelege werden sicherlich auch nicht zu sehr abgekühlt. Spätestens, wenn man aus dem Wasser steigt, kommt doch Ernüchterung auf, denn weiße Schützenhose, Unterwäsche, Strümpfe und Schuhe haben "derbe" gelitten.

Aber nichts desto trotz findet sich noch jemand bereit eine Kanne Kaffee für die "Frühheimkehrer" zu kochen. Frische Brötchen werden direkt aus der Backstube bei den Bäckern abgeholt und irgendwo findet sich auch noch ein ordentliches Wurstende, aus dem Kühlhaus eines Metzgers. Und wenn die ersten "Nicht-Schützenfest-Feierer" zur Arbeit fahren, werden diese belächelt, denn selber hat man ja für den folgenden Tag Urlaub angemeldet. Vom Schlamm gezeichnete Fußspuren auf dem Gehweg zeugen noch am anderen Tag von der nächtlichen "Speukerigge".



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