Spiegeleier und Tampe

von Hans Josef Kleine

 

 

So vielfältig wie das Treiben während des Festes selbst sind auch die Möglichkeiten der 'echten Schützenbrüder und -schwestern', das Fest am Dienstag-Morgen ausklingen zu lassen. Eine dieser Möglichkeiten, die sicherlich viele von uns in zahlreichen Abwandlungen schon erlebt haben, möchte ich hier vorstellen:

 

Am Schützenfest-Dienstag 1983, unter der Regentschaft von Hans Edgar Hans und Marie-Luise Meyer, hatten wir tapfer bis zum Kehraus auf der Tanzfläche und in der Sektbar die Schützenfesttraditionen hochgehalten. Danach zog die kleine Truppe unter schrägem Pfeifen von Marschliedern hinter einem der Hallendekoration als Fahnenersatz entnommenen Birkenzweig her durch das Steintor in die Stadt hinein.

 

Je näher wir dem Zentrum waren, umso heftiger wurden die Verhandlungen geführt, wo die unvermeidlichen Spiegeleier zu backen seien. Einige zuvor besonders wortgewaltige 'Anführer' entfernten sich während der Diskussion von der 'Truppe'. Nach einigem rastlosem Hin und Her auf dem Marktplatz beschlossen die verbliebenen Schützenbrüder, die letzte 'übriggebliebene' Dame erst einmal gemeinsam ins Bett zu bringen.

 

Auf dem Weg zu ihrer Wohnung in der Viehstraße fiel uns gegenüber eine offenstehende Haustür auf, aus der noch ausgesprochen schützenfestliche Klänge an unsere Ohren drangen. So wurde kurzerhand der Entschluss gefasst, sich dort noch selbst einzuladen.

 

Wie nicht anders zu erwarten, wurden wir als willkommene Verstärkung begrüßt und mit entsprechenden Marketenderwaren versorgt. Zu unserem größten Leidwesen waren aber auch hier schon sämtliche Eiervorräte aufgebraucht. Unser Hauptbedürfnis konnte wieder nicht gestillt werden.

 

Als der Morgen schon graute, erreichte uns dort ein erlösender Anruf aus der Kuhstraße, wo ein anderes Grüppchen wohl auch kein Ende kriegen konnte und uns verheißungsvoll mit der Qualität ihrer dortigen Spiegeleier lockte. Dieses zu vernehmen und aufzubrechen war eins:

 

Der letzte Marsch des Schützenfestes 1983 wurde in Angriff genommen.

 

Als wir am Ort des Geschehens eintrafen, bot sich uns ein eindrucksvolles Bild. Man hatte gerade beschlossen für die Nachwuchs-Schützenbrüder und -schwestern eine Lehrstunde im Tampe durchzuführen. Für uns 'alte', festerprobte Schützen war dies natürlich ein gefundenes Fressen und so wurden die ersten Zeitungsboten Zeugen eines seltenen Schauspiels:

 

Wohl an die dreißig junge und junggebliebene Feierer stampften, die Melodie des Tampe auf den Lippen, die Kuhstraße vor dem Symphonium auf und ab. Statt der versprochenen qualitätsvollen Spiegeleier gab es aber doch nur die erste Ration frisch gebackener Brötchen aus Walters Bäckerei, die mir an dem Morgen aber zusammen mit frischgekochtem Kaffee besser geschmeckt haben, als die langersehnten Spiegeleier es vermocht hätten.



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