Majestäten 1939

Königspaar: Elisabeth Müller & Bernhard Büker
Kronkönig: Johannes Engels

Hofstaat 1939

 

 

1939 Die Geseker Zeitung berichtete (gekürzt):


Tage des Frohsinns und der Erneuerung der Heimatverbundenheit
Der Samstag begann nicht mit gutem Schützenfestwetter. Aber auch der Regen kennte den Schützen nicht die Stimmung nehmen. Mach dem Frühstück aber hellte sich das Wetter wieder auf, so daß doch nach programmäßig mit dem Schießen auf den Vogel begannen werden konnte. Gleich beim zweiten Schuß fiel schon die Krane, und der glückliche Schütze war auch in diesem Jahre wieder der gleiche wie im vergangenen, sä daß der Schützenbruder Johannes Engels diese Würde noch ein Jahr zu tragen hat. Gegen 1 Uhr fiel dann der Königsschuß nach friedlichem Kampfe durch den Schützenbruder Bernhard Büker, dem vorvorjährigen Kronkönig, der sich Fräulein Elisabeth Müller, die Tochter des Buchbindermeisters Müller zur Königin erkor.
Große Freude herrschte im Lager der 3. Kompagnie, die jetzt den Schützenkönig stellt und ebenso war die Freude sehr groß, als der Name der neuen Königin bekannt wurde.
Der Sonntag wurde am Mittag mit einem Konzert des SA.-Musikzuges der Standarte 219 Lippstadt unter Stabführung von SA-Obersturmführer Koschitzki, der auch den gesamten musikalischen Teil des Schützenfestes hier bestritt, eingeleitet. Nachmittags traten die Schützen wieder in ihren Standquartieren an, um anschließend auf dem Adolf-Hitler-Platz mit Schneid und Disziplin den Fahnenmarsch durchzuführen. Mach Abholen des Königspaares mit Gefolge und einem Marsch durch die Stadt wurde vor dem festlich geschmückten Hause der Königin ein zackiger Parademarsch geklappt, der helle Begeisterung auslöste. Auf dem Schützenplatz angekommen, wandte sich Schützenoberst Theodor Siefers mit folgenden Worten an die V/ersammelten: Hochverehrte Gäste! Liebe Schützenbrüder!
Zum dritten Male habe ich die Ehre, Ihnen im Namen der Geseker Schützengesellschaft zum diesjährigen Schützenfeste einen herzlichen Willkommensgruß entbieten zu dürfen. Ich begrüße besonders unsere Ehrenmitglieder, an ihrer Spitze unsern um den Schützenverein hochverdienten Ehrenoberst Thoholte, der in diesem Jahre auf eine 63jährige Mitgliedschaft zurückblicken kann. Sodann begrüße ich unsere Jubilare, die heute 50 Jahre dem Verein als Mitglied angehören, die Schützenbrüder Joh. Dunker, Josef Krüggeler, Wilh. Vogt und Heinrich Sauerland. Für den letzten ist der heutige Tag ein doppelter Ehrentag, da er vor 50 Jahren die Ehre hatte, Schützenkönig zu sein. Zuletzt begrüße ich unsern Schützenbruder Franz Rieländer, Münster, der nunmehr 60 Jahre dem Schützenverein angehört und in dessen Brust heute noch das gleiche jugendliche Herz in Liebe und Begeisterung für unsern Schützenverein schlägt, wie vor 60 Jahren. Ich danke ihm besonders, weil er trotz Alter und Entfernung den Weg zu uns gefunden hat, um in der Mitte seiner Schützenbrüder ein paar frohe Stunden verweilen zu können.
Liebe Schützenbrüder! Der Schützenverein betrachtet es von jeher als eine der vornehmsten und ehrenvollsten weit auf hundertjähriger Tradition begründeten Pflichten, Ihnen alljährlich an den Schützenfesttagen einige Stunden zu schenken, in denen die Freude, dieser bewährte, schöne Götterfunken, zur hellsten Glut entfacht wird, in deren Licht und Wärme Sie die Mühen und Sorgen des Alltags vergessen können, ein paar Stunden, in denen der Zauber dieser Freude die alten Bande der Kameradschaft festigen und erneut Gelegenheit zur Pflege wahrer Volksgemeinschaft und ehrwürdigen Brauchtums gibt. Bedenken Sie, daß hinter all dem Frohsinn dieser Tage der Ernst eines wehrhaften Volkes und der Stolz des freien Mannes steckt, und betrachten Sie weiter diese Festtage als einen Lohn für die im vergangenen Jahre geleistete Arbeit auf dem Wege zur Erfüllung unserer hohen Aufgaben mit dem Ziele der Wehrhafterhaltung unseres Volkes, so finden Sie vollends die richtige Einstellung zu unserem Schützenfest und damit zu unserem Schützenverein in Vergangenheit, heute und in Zukunft.
Was unsere Vorfahren vor nunmehr 526 Jahren zum Zusammenschluß im Schützenverein veranlaßte, das ist als kostbares Erbgut von Generation zu Generation lebendig geblieben in den Reihen der Geseker Schützen. Dieser Schützengeist beseelt auch uns und er wird nie sterben. Wir fühlen uns stolz in dem Bewußtsein, Träger einer 500jährigen Tradition, treue Hüter ehrwürdigen Brauchtums und die Wahrer und Förderer guter Sitten zu sein. Wir sind stolz in der Überzeugung, daß unser Schützenverein all die Jahrhunderte seinen Idealen treu geblieben ist und unserer Heimatstadt und dem Vaterlande einer der besten Diener war.

 

Wir blicken stolz auf die Vergangenheit und voll Zuversicht in die Zukunft, wir folgen mit Stolz unseren ruhmreichen alten Fahnen.

Aus dieser Einstellung heraus bitte ich Sie, mit mir einzustimmen in den Ruf: Unsere Heimatstadt, und unser Schützenverein, sie leben hoch!

Am Montag gab die SA-Standartenkapelle, die den musikalischen Teil des Festes mit anerkennenswertem Schneid bewältigte, auf dem Adalf-Hitler-Platz ein Mittagskonzert. Am Nachmittag traten dann die Schützen zum letzten Male an. Auch hier sah man nur wieder fröhliche Gesichter. Im schneidigen Zuge wurden die Majestäten mit Gefolge zum Festplatz geleitet. Um B Uhr zogen die Festteilnehmer im sogenannten "Langen Tanz" zum Rathaus, wo die Fahnen untergestellt wurden. Nur kurze Zeit dauerte es und die Schützenhalle war wieder bis auf den letzten Platz mit fröhlichen Festteilnehmern, die die Stunden ausnutzten und sich freuten und amüsierten, gefüllt, wie man es nur auf dem Geseker Schützenfest kann.

Würdig kann sich das Schützenfest 1939 mit seiner Rekord-Besucherzahl seinen Vorgängern anreihen.



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